Kunstspezial - Lesefieber in Köln und die Explosion der Polka Dots - Yayoi Kusama Ausstellung im Museum Ludwig

Wer Lesefieber-Buchpost kennt, der weiß das wir Japan und japanische Kultur lieben. Da die Ausstellung von Yayoi Kusama in Basel so schnell ausverkauft war, habe ich die Chance genutzt, sie jetzt in Köln anzuschauen. Aber hat sich der weite Weg gelohnt? 
 
 
 

Die Künstlerin:  

Yayoi Kusama wurde 1929 in Matsumoto geboren und leidet, seid ihrer Kindheit unter Halluzinationen und wächst in einer männerdominierten Gesellschaft auf. Um mit der strengen Familie und ihrer Krankheit klarzukommen fängt sie schon früh an zu malen. In ihren Halluzinationen sieht sie regelmäßig Punkte, die sie auch in ihre Kunst einfließen lässt. Dadurch entwickelt sie ihren ganz eigenen Stil. Als es sie nach New York verschlägt, beschäftigt sie sich mit Flower-Power, Liebe, Sexualität und dort entsteht auch ihr berühmtes Infinity-Net Motiv, von dem es verschiedene Varianten gibt. Mitte der 1970er Jahre verschlägt es sie nach dem Tod ihrer Eltern wieder zurück nach Japan, wo sie sich freiwillig in eine psychiatrische Klinik einweisen lässt. Dort schafft sie bis heute unendlich viele ausdrucksstarke Kunstwerke. Ich muss sagen das wir ganz unbefangen diese Ausstellung besucht haben. Eigentlich wussten wir nicht was uns erwartet außer den medial gewordenen großen Raum voller Schlangen mit Polka Dots. Das war definitiv auch ein Highlight der Ausstellung, beschreibt aber bei weiten nicht die Tiefe der Ausstellung. Man betritt eine phantasische Welt, die das Leben der Künstlerin, ihre Lebensphasen und ihre Emotionen in einer solchen Tiefe zeigt, das es einen sprachlos und beeindruckt zurücklässt. 

Das Reich der Punkte

Die Ausstellung beginnt mit einem Video der Künstlerin, das in Endlosschleife läuft. Sie wickelt Bäume mit einem Band ein. In der Eingangshalle befindet sich eine große Kürbisskulptur mit Polka Dots und die Treppe sowie der erste Raum der Ausstellung sind mit silbernen Kugeln voll gestellt (bitte die Kunst nicht anfassen). 
 
Die Ausstellung verläuft chronologisch, von der Kindheit bis zum heutigen Leben von Yayoi Kusama. Man fängt also mit der Kindheit an. Hier gibt es Kinderzeichnungen, stellenweise auch schon mit den bekannten Punkten. Ausgestellt werden auch die Kunstwerke ihrer ersten Ausstellung in Japan Anfang der 1950er. 
 
Dann ihre Zeit in New York die absolut bunt, frei und wild ist. Ihre Kunst wandelt sich. Sie arbeitet an unzähligen Skulpturen, die aus verschiedenen aus Stoff genähten Formen, die wie ein Phallus aussehen bestehen. Es ist total verrückt aber doch sehr beeindruckend mit welcher Inbrunst sie sich ihrer Kunst gewidmet hat. Durch ihre Kindheit im Patriarchat hatte sie wohl ein Problem mit Sex und Penissen. Ihre Angst hat sie sich dadurch gestellt und verarbeitet. 
 

     


Man betritt eine mit Spiegeln übersäte Treppe um die nächste Etappe in Kusamas Leben und Kunst kennenzulernen. 
 
Ein Blick nach oben kann sich lohnen, um sich selbst in einem anderen Blickwinkel zu sehen.  
Als sie zurück nach Japan zieht, wandelt sich ihre Kunst. Sie wird ernster, sie befasst sich mit dem Tod ihrer Eltern und ihrer eigenen Endlichkeit. Die Bilder werden dunkler und philosophischer. Sie beginnt zu dichten und setzt ihre Gedanken in Bilder um. 
 
  Ein Selbstporträt aus dieser Zeit

Weiter und weiter entwickelt sich ihre Kunst, bis man den großen Raum voller Polka Dots betritt und es einen umhaut. Schaut man zu lange hin, wird einem schwindelig. 
 
   
 
Die gelbe Farbe hat etwas Aufhellendes und erfreut den Geist nach den doch sehr dunklen Gedanken von Kusama. In weiteren Räumen kann man weitere beeindruckende Bilder sehen, die allesamt größer und bunter sind als die vorherigen. Es scheint als hätte die Künstlerin ihre Lebenskrise überwunden und sich neu erfunden. Die Druckformen auf den Kürbissen sind wirklich beeindruckend gleichmäßig und schön. Sie hat ein immergleiches Muster geschaffen, an dem man sich nicht sattsehen kann. 
 
 



          




Die letzte Etage ist eine Explosion der Farben, Muster und Formen. Hier sind alle Kunstwerke gleich groß und zusammen ergeben sie eine Einheit, denn die Bilder sind aus der gleichen Serie. Dennoch ist jedes Bild ein Unikat. 
 


In der Ausstellung gibt es auch die aktuelle Serie der Künstlerin "Every Day I Pray for Love" zu sehen. Sie thematisiert Frieden, Liebe und den Wunsch das alle Menschen Glücklich sind. Auch hier sind ihre Bilder sehr farbenfroh und jedes für sich behandelt das zentrale Thema anders. 

Der letzte Raum ist eigentlich ein normaler Raum, eingerichtet wie ein normales Zimmer mit Bett, Schreibtisch, usw.. Der Unterschied, der Raum und alles was drin ist, wurde mit bunten fluoreszierenden Punkten beklebt. Sie leuchten ganz fantastisch im Schwarzlicht und zeigen einen die Welt, wie Yayoi Kusama sie sieht. 
 
          

Auf der Dachterrasse findet man drei riesige bunte Blumen, die natürlich mit Punkten bemalt sind und einen Infinity Würfel zum Betreten und Erleben. Allein die Kunstwerke und der Dom dahinter sind ein Foto wert. Es sieht zusammen einfach unglaublich schön aus. 

 

Yayoi Kusama arbeitet mit verschiedenen Farben, Untergründen und Materialien. Sie erschafft riesige Kunstwerke, die schier unendlich wirken und auch genau das sein sollen. Sie verwendet bei vielen Kunstwerken oft die gleiche Technik (Infintiy Net) und trotzdem gibt sie durch verschiedene Farbgebung dem Kunstwerk beeindruckende Tiefe. 
 
Es gibt im Museum auch die Möglichkeit sein eigenes Kusama Kunstwerk zu gestalten. Das hat wirklich sehr viel Spaß gemacht sich hier auszutoben. Schaut euch auf jeden Fall auch die Kunstwerke der Besucher an. Sie sind so unglaublich kreativ. Die Mitarbeiter*innen waren dort und auch im ganzen Museum sehr freundlich. Außer man fummelt an der Kunst herum (das geht halt gar nicht).
 

Fazit: 

Nach einem Besuch der Ausstellung von Yayoi Kusama wirkt auch stellenweise ein Piccaso fad, wie ich feststellen musste. Das Museum Ludwig besitzt von ihm die drittgrößte Sammlung und damit so einige seiner Werke. Aber das ist natürlich immer Geschmackssache.
 
Die Ausstellung läuft bis zum 02.08.2026. Die Tickets sind beliebt, bitte reserviert sie euch für einen Besuch rechtzeitig. Hier geht´s zur Seite vom Museum: Klick mich 

Weitere Impressionen: 

 








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